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Ausstellung

Rhythmus und Struktur – Ausstellung in Hamburg

Rhythmus und Struktur
Beim ersten Hinsehen folgen die Arbeiten von Karin Marquardt dem Muster der Rationalität, wie es für Mathematik und Technik charakteristisch ist. Sie entwickelt streng systematisch Flächen- oder Linienstrukturen. In jedem ihrer Werke wird ein selbst gestelltes Problem zu einer scheinbar völlig einfachen, zwingenden Lösung geführt oder in einer Serie Schritt für Schritt durchgespielt. Die Evidenz der gefundenen Lösung lässt die vorausgehenden, oft komplizierten Überlegungen vergessen. Damit steht sie in der Tradition der Künstler, die durch strenge Konstruktion, wie Mondrian es ausdrückt, eine “ästhetische Vision des Universalen“ erzeugen, rational Geistiges zur sinnlichen Anschauung bringen wollen.
Beim zweiten Hinsehen jedoch zeigt sich, dass dieses Muster der Rationalität immer wieder unterlaufen wird. Sieht man zunächst nur die Präzision, mit der eine Vielzahl von Elementen nach konstruktiven Regeln in einen in sich stimmigen Gesamtzusammenhang gebracht sind, fallen bei näherer Betrachtung die Unregelmäßigkeiten auf, die der strengen Konstruktion einen individuellen Atem einhauchen. Damit wird der Kunst eine andere Aufgabe zugewiesen, als die dominante Rationalität der modernen Zivilisation in sich zu reproduzieren.
Marquardt verbindet das Rationale mit dem Irrationalen, sie öffnet verborgene Räume, zu denen die starre Rationalität den Zugang verloren hat. Die systematische Konstruktion dient ihr als Folie zur Veranschaulichung von Beziehungsstrukturen des Menschen in seiner Wirklichkeit. Sie betrachtet diese Wirklichkeit nicht als statische Form, sondern als Prozess. Konstanz und Wechsel, Ruhe und Bewegung, Ordnung und Chaos als Grundprinzipien des Lebens werden in einen formalen Zusammenhang gebracht, dessen Erscheinungsbild Spannung und zugleich Ausgewogenheit ausdrückt.
Während die streng angelegte Verteilung von Form und Farbe auf die konstruktive Regelhaftigkeit verweisen, brechen durch die grobe Materialität des Malgrundes, die sichtbare Pinselführung und den lebendigen, stets freihand gezogenen Strich immer wieder expressive Momente hervor. So lassen die Bilder von Karin Marquardt den Betrachter zwar kompromisslos die ganze Härte und den Strukturzwang der modernen Rationalität spüren. Aber niemals erstarren sie in der Kälte der Konstruktion. Beim Eintauchen in das Bildgeschehen wird der Betrachter dazu geführt, die Spuren des Lebendigen, des Variierenden, aufzudecken.

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