Poesie des Gärtnerns. Der Garten als Metapher und künstlerisches Wirkungsfeld Ausstellung Köln
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Ausstellung: 26.06.2020 - 04.10.2020

Künstler: Bernhard Johannes Blume, Joseph Beuys, Björn Braun, Ian Hamilton Finlay, Pawel Freisler, Robert Haiss, Sr. M. Pietra Löbl, Antonia Lotz, Derek Jarman, Howard Sooley, Antje Majewski, Pieter Laurens Mol, Gabriela Oberkofler, Gabriel Rossell-Santillán, Ursula Schulz-Dornburg, Katrin Vellrath, Lois Weinberger, Georg Winter, Susanne M. Winterling

Veranstalter & Ort:
Galerie PARROTTA CONTEMPORARY ART
50674 Köln
Brüsseler Str. 21

POESIE DES GÄRTNERNS. DER GARTEN ALS METAPHER UND KÜNSTLERISCHES WIRKUNGSFELD
26. Juni 2020 – 4. Oktober 2020

PARROTTA CONTEMPORARY ART KÖLN 26. JUNI – 4. OKTOBER 2020
ÖFFNUNGSZEITEN: MI – FR 13 – 18 UHR I SA 11 – 16 Uhr
ERÖFFNUNG: FREITAG, 26. JUNI 2020, 18 – 21 UHR

PARROTTA CONTEMPORARY ART BONN 27. JUNI – 4. OKTOBER 2020
ÖFFNUNGSZEITEN: FR – SA 14 – 18 UHR
ERÖFFNUNG: SAMSTAG, 27. JUNI 2020, 11 – 18 UHR

Ausgehend von der Natur als Nährboden für eine aufklärerisch kritische Gesinnung bringt die Ausstellung „Poesie des Gärtnerns. Der Garten als Metapher und künstlerisches Wirkungsfeld“ die konzeptuellen Annäherungen von 19 Künstlerinnen und Künstlern an das Thema des Gärtnerns zur Anschauung. Dabei werden die beiden Standorte der Galerie Parrotta in Köln und Bonn zu ganz unterschiedlichen Wirkungsfeldern. Auf dem weitläufigen Gelände um die Burg Lede mit ihrer historischen Parkanlage, die auf Pläne des Reform-Gartenarchitekten Walter Baron von Engelhardt zurückgeht, finden Pflanzungen und ortsspezifische Interventionen statt, die dem Prinzip des „Säens und Erntens“ verpflichtet sind. Das Spektrum der Medien umfasst neben Fotografie, Malerei, Zeichnung und Skulptur auch Installation, Performance und musikalische Komposition.

Auf der Fotografie „Die Erde halten“ des kürzlich verstorbenen Lois Weinberger ist der Rumpf des Künstlers zu sehen, der in seinem Arm und in seiner gegerbten Hand dunkle Erde geradezu liebevoll hält. Pflanzen stehen im Werk Lois Weinbergers im Mittelpunkt seines Diskurses über das Verhältnis zwischen Natur und Gesellschaft. Doch mit seiner „Poetik des Ruderalen“ – von Pflanzen, die in Brachlandschaft wachsen – steht Weinberger der klassischen Gartenkunst diametral gegenüber. Entgegen einer anthropozentrischen Vorstellung einer „ursprünglichen Natur“ und „gegen die Ästhetik des Reinen und Wahren, gegen ordnende Kräfte“, wie er sagt, interessiert Weinberger gerade der herangewehte Wildwuchs.

Die elementare Wertschätzung der Erde als reine Potentialität – aus der alles wächst, wuchert und vergeht – teilt der Anti-Gärtner mit dem beispielhaften Gärtner unter den Künstlern – Ian Hamilton Finlay. Der schottische Künstler, Dichter, Philosoph und Gartengestalter schuf ab1965 seinen "Little Sparta" genannten Garten südlich von Edinburgh, um ihn kaum je mehr zu verlassen. Die Abgeschlossenheit des Gartens stellt einen elementaren Aspekt des Gärtnerns dar. Hebt sich der Garten und das Reich des Gärtners doch unweigerlich gegenüber einem entweder als Wildnis oder als Zivilisation gekennzeichneten Außen ab. Dies trifft auch auf Derek Jarmans Garten „Prospect Cottage“ zu, der ebenfalls zur Bastion, zur Kampfansage wird. Im unheilvollen Schatten des Kernkraftwerks von Dungeness gestaltete Derek Jarman zusammen mit Howard Sooley einen unorthodoxen Garten, der von Sooley auch fotografisch dokumentiert wurde. Als Heilung einer Landschaft in feindlicher Umgebung begreift Jarman sein Anliegen, wobei der Überlebenskampf der Pflanzen im charakteristischen unwirtlichen Kies der Küstenregion symbolhaft seine eigene Krankheitserfahrung widerspiegelt.

Eine in Rousseaus Sinne herbeigesehnte „Rückkehr“ in ein ungetrübtes Naturidyll muss eine Illusion bleiben, „Fortschritt“ lässt sich nicht rückgängig machen. Vielmehr muss er, als erreichter Zustand der Menschheitsgeschichte und auch in seiner gesellschaftspolitischen Dimension, einbezogen werden in die aktive Auseinandersetzung mit den Konzeptionen von „Garten“ und „Natur“.

Antje Majewski und Pawel Freislers „Der Apfel. Eine Einführung. (Immer und immer und immer wieder)“ ist eine komplexe Installation aus Gemälden, Objekten und Filmen über den Apfel als Beispiel für den Verlust an Biodiversität und gleichzeitig ein Aufruf zur Pflanzung. Daran anknüpfend komponierte Katrin Vellrath, die als Kind im Garten der Burg Lede spielte, für den örtlichen Adelheidis-Chor eine Apfelhymne.

Die gemeinsam mit Nagetieren entstandenen Skulpturen von Björn Braun sind hochgestapelte, äußerst fragile Säulen etwa aus angenagten Rettichen oder Kartoffeln, die an die Endlose Säule (1937) von Constantin Brancusi denken lassen und damit zugleich auf Transzendentes und Profanes des Gärtnerns verweisen.

Die Ausstellung bietet einen Rahmen für die Entfaltung des Gartens zwischen Theorie und Praxis, zwischen entrücktem Ideal und materieller Realität, vor allem aber zwischen Saat und Ernte. In diesem Zeitraum offenbart sich die Poesie des Gärtnerns im Lichte ständiger Veränderung und Ungewissheit. Es muss offen bleiben, ob und wie die Saat aufgeht.

Gerade die in Teilen auf das 13. Jahrhundert zurückgehende Anlage von Burg Lede scheint als geschichtsträchtiger Ort besonders geeignet, eine Vielfalt zeitabhängiger Beschreibungen und Betrachtungen von Natur zusammenzuführen und damit Historizität und Aktualität in einen sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Neu angestoßene Veränderungsprozesse erscheinen hier stets im Spiegel einer longue durée. Schon die programmatische Schrift des vorgenannten Gartenkünstlers Walter von Engelhardt „Kultur und Natur in der Gartenkunst“ fordert die Aufhebung der Opposition.

Die Ausstellung wird großzügig gefördert durch die Stiftung Kunstfonds Bonn. Die Ausstellung endet am 4. Oktober mit einem Erntedankfest und ist begleitet von einem Rahmenprogramm für Kinder und Erwachsene. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

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