DREIKLANG Ausstellung Koeln
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Helle Mueller

Ausstellung: 09.10.2021 - 30.10.2021

Künstler: Benjamin Burkard, Georg Pummer, Dirk Schmitt

Veranstalter & Ort:
Galerie 30works Galerie
50672 Koeln
Pfeilstr. 47

Wie aus drei unterschiedlichen Partituren eine überraschende Harmonie entstehen kann,
zeigt die Gruppenausstellung „Dreiklang“ mit neuen Werken von Benjamin Burkard,
Georg Pummer und Dirk Schmitt. Denn trotz stilistischer Differenzierungen weisen die
Bildwelten der drei Künstler erstaunliche Parallelen auf, die sich nicht allein im
gemeinsamen Figurativen erschöpfen, sondern mit ihrer hintergründigen Thematik
nahezu Deckungsgleichheit aufweisen. So künden ihre Werke von inneren Konflikten,
Spannungen, aber auch Faszinationen – und gehen diesen mit eindringlicher Motivik und
gezielten Bruchstellen auf den Grund. Alle drei Künstler vermögen es dabei
metaphysische Vorgänge sichtbar zu machen und ihren Bildern dadurch eine
philosophische Tiefe zu verleihen. Weshalb man sie zu Recht als „Maldenker“ bezeichnen
darf.
So wirft Benjamin Burkard in seinen neuen Zeichnungen das Urthema des Zweifelns
und Irrens auf; was sich sowohl auf das Dasein des Künstlers als auch auf den Status als
reiner Mensch bezieht. Dabei will er die Werke, die eine ihm stark ähnelnde Figur
porträtieren, nicht als Selbstbildnisse verstanden wissen; vielmehr stehen sie
stellvertretend für eine Gesellschaft, die „auf der Suche ist“. Nach Inhalt, nach Sinn –
und nach sich selbst. Burkard gibt seinen Protagonisten der ungerichteten Bewegung
anheim, bannt ihn im Moment akuten Haderns und zeigt damit, dass die Dinge des
Lebens auf lange Sicht keinen Bestand haben. Was er jedoch als annehmbar und tröstlich
verstanden wissen will, denn das Ungewisse, das Volatile, der unausweichliche Wandel
birgt auch immer die Chance auf etwas Neues, Gutes und Sinnstiftendes.
Der puren Bleistiftzeichnung stellt er seinen typischen Goldhintergrund gegenüber,
durchbrochen von farbigen Störelementen, was in einem spannenden Kontrast aus Kalt
und Warm, Figuration und Abstraktion, Ordnung und Chaos sowie Sachlichkeit und
Sinnlichkeit gipfelt. In seinen neuen Gemälden belegen ineinander geschachtelte
Architekturhybride und virtuos verfremdete Himmel, dass Benjamin Burkard
unangefochten zu den aufregendsten Vertretern des Neo-Surrealismus gehört.
Der Österreicher Georg Pummer zelebriert in seinen Tableaus den so genannten
„Glitch-Stil“, bei dem Gesichter und Objekte fragmentiert werden und so einer Art
Bildstörung in Videoästhetik gleichen. Diese Bruchstellen künden vom Konflikt zwischen
Mensch und Natur - und von der Vergänglichkeit der Dinge. Genauso wie von der
Flüchtigkeit des Seins, des Denkens und Handelns. Der Zustand des Kontinuums existiert
nicht, alles ist und bleibt stets eine Momentaufnahme; womit er thematisch sehr nah an
seinem Künstler- und Ausstellungskollegen Benjamin Burkard ist.
Pummers Werke fangen oder vielmehr frieren diesen einen Moment eines Blickes, eines
Fühlens und Seins ein, konservieren ihn und setzen dem Gesetz der natürlichen
Vergänglichkeit das Prinzip des künstlerischen Bewahrens entgegen. Ob Gesichter oder
Stillleben: Pummer unterwirft die realistische Anmutung seiner Motive einem
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Auflösungsprozess und damit einer (meta)physischen Transformation, die sie letzten
Endes im Surrealismus verortet. Die Farbsprache variiert dabei von hellem Blau und
leuchtendem Orange bis hin zu Grau- und Schwarzschattierungen, die seine Arbeiten
affektiv unterfüttern und in ihrer dramatischen Rezeption steuern.
Auch Dirk Schmitt widmet sich dem Konflikt und dem Moment der Vergänglichkeit: Hier
in Form des gesellschaftlichen Umgangs mit Künstlicher Intelligenz, Robotik und
Transhumanismus. Dafür findet er berührende Allegorien, in denen junge Frauen auf
geheimnisvolle Humanoiden treffen. Dabei wirken sie unverstellt, neugierig und
vollkommen zugänglich für ihre High-Tech-Zeitgenossen, interagieren und
kommunizieren mit ihnen und werfen so das Bild einer friedlichen Co-Existenz auf. Mit
der Vorwegnahme dieser utopischen Idee zeigt Dirk Schmitt, dass das Surrealistische
bereits Teil der Realität ist. Und diese beiden Genres, weder geisteswissenschaftlich noch
in der Kunstpraxis, tatsächliche Antipoden bilden, sondern sich vielmehr aufeinander
beziehen und sich bedingen. So wandelt der Meister des zeitgenössischen Realismus hier
ganz selbstverständlich auf den Pfaden des Surrealismus und spielt dabei geschickt mit
Konzepten, Konnotation und philosophischen Themen wie der Frage nach der humanen
(und humanistischen) Zukunft in Zeiten des Homo digitalis. Wie Benjamin Burkard und
Georg Pummer weisen seine Bildwelten visuelle Bruchstellen auf, die einmal mehr die
Rolle des Menschen in einer sich immer schneller verändernden Welt hinterfragen.

Die Eröffnungsrede hält Prof. Dr. Frank Herrmann.

30works Galerie
Pfeilstr. 47
50672 Köln
Tel.: 0221-33779999
Web: http://30works.de

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