Kunstfälscherprozess Köln - erstes Geständnis des Meisterfälschers
Im Fall Jägers, dem wohl größten Kunstfälscher-Skandal der letzten Jahrzehnte in Deutschland, kommt langsam ein wenig Bewegung. Wolfgang Beltracci, einer der Angeklagten, schilderte gestern seine ersten Geständnisse.

Kunstfälscher Geständnis und milde Strafen

Beltracci gestand mindestens die 14 Bilder gefälscht zu haben, um die es im Kunstfälscherprozess in Köln geht. Schon als Jugendlicher perfektionierte er seinen Malstil. Als Sohn eines Kirchenmalers war er von Kind auf mit Malerei umgeben. Später reiste er eigens nach Frankreich um für seine Fälschungen alte Keilrahmen, Leinwände und andere Malutensilien auf Flohmärkten zu kaufen.
Als Motivation gab Wolfgang Beltracci eine tiefe Verachtung des Kunstmarktes an. Wörtlich sagte er:
"Der beste Schutz gegen Fälschungen wären wirklich interessenfreie Experten. Meine Abneigung gegen den Kunsthandel hat seinen Ursprung auch im professionellen 'Expertentum'. Das Vorgehen ist immer das selbe: Eine unbekannte Arbeit wird von einem vermeintlichen Experten bestätigt, dann durch ein oder zwei Ausstellungen in irgendeinem Museum geadelt und anschließend bei einer Auktion eingeliefert und verkauft. Der Experte verdient an seinen Expertisen, und nicht selten kauft und verkauft er selber oder erhält erhebliche Provisionen."
Quelle: Spiegel-Online

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Deal hinter den Kulissen

Laut Spiegel-Online zeichnet sich wohl ein Deal hinter den Kulissen ab. Sollten die Angeklagten die ihnen zur Last gelegten Taten eingestehen, so vermuten Beobachter, wird es zu milden Urteilen kommen.
Ob es aber, wie am Anfang des Prozesses angedacht war, zur lückenlosen und schonungslosen Aufklärung kommt, darf angezweifelt werden. Denn dann müssten weitere Gemälde, die Rede ist von ca. 40 bis 55 Stück, genau untersucht werden. Die Kosten für das Verfahren und die Untersuchung wären dafür einfach zu hoch.
Und so wird der Kreislauf der Bilder auf dem internationalen Kunstmarkt wahrscheinlich nie aufgeklärt werden. Dubiose Machenschaften von Händler, Galerien, Auktionshäuser und sogenannten Experten würden ein weiteres Mal nicht aufgeklärt werden.

Der eine oder andere Besitzer von Pechstein oder Campendonk Gemälden wird da wahrscheinlich auch noch froh sein, nicht die ganze Wahrheit zu wissen. Für die Transparenz und Glaubwürdigkeit des Kunstmarktes würde es, wenn es tatsächlich dazu kommen würde, eher ein Rückschritt sein.

mehr zum Kunstfälscher-Prozess in Köln:
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- der Fall Jägers und wie alles anfing

Video Kunstfälscher Prozess vom ersten Verhandlungstag


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