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"Gorgona floh 1961 vom damals mächtigen Kommunismus in die Irrationalität, die Unbegreiflichkeit. Die Inaktivität von Gorgona war auffällig. Eine Gruppe von jungen Menschen, deren gegenseitige Gunst der maßgebend verbindende Faktor war, traf sich gelegentlich. Gorgona hatte keine Aussage! Es handelte sich mehr um eine bestimmte Art von Aktivität, selbstironisch, ein Gefühl von Außergewöhnlichkeit erzeugend. Vielleicht brachte Gorgona etwas Neues; vielleicht wurden dadurch nur manche Lebensprobleme oder das Gefühl des Eingesperrtseins gelöst. Vielleicht blieb am Ende aber auch nichts als Freundschaft und spirituelle Verbundenheit."
Josip Vanista
ZAK | BRANICKA ist hocherfreut, ihre erste Ausstellung der protokonzeptuellen, aus Zagreb stammenden Gorgona Gruppe zu präsentieren, eine Gruppe, die sich zwischen 1959 und 1966 selbst unrealisierte.
Josip Vanista (1924), Julije Knifer (1924-2004), Radoslav Putar (1929-1994), Marijan Jevsovar (1922-1998), Dimitrije Basicevic Mangelos (1921-1987), Matko Mestrovic (1933), Ivan Kozaric (1921), Duro Seder (1927) und Miljenko Horvat (1935-2012) trafen sich gelegentlich, unterhielten sich, korrespondierten, tauschten „Gedanken für den kommenden Monat” aus, sendeten einander „Hausaufgaben” und „Fragebögen”, gingen auf „Kontrollgänge der Jahreszeiten”, organisierten Ausstellungen in einer Rahmenwerkstatt in Zagreb, die sie zu diesem Zweck Studio G nannten, sie publizierten die Anti-Zeitschrift Gorgona, arrangierten sich, performten gruppen- und selbstchoreografierte Bewegungen, bauten auf, posierten und fotografierten. All dies war von Humor, Scharfsinnigkeit und Paradoxie durchdrungen, geformt durch die Übernahme der Terminologie und Form ebenjener Gesellschaft von der sie sich durch ihre Aktivitäten isolierten. Der Name der Gruppe entstammt einem Gedicht von Mangelos; die Namensgleichheit mit der Insel des toskanischen Archipels entdeckte die Gruppe erst später, band sie jedoch auch in ihre Arbeit ein. Ihre sowohl ideellen als auch materiellen Produktionen und Kollaborationen stellten für die Gruppe einen Ausweg aus dem „Universum ohne Zweck“ nach dem 2. Weltkrieg dar, hin zu etwas, was Vanista kurz als „etwas über die Kunst der Malerei hinaus” beschrieb.
Die vielleicht bekannteste Realisierung der Gruppe war die zuvor genannte Anti-Zeitschrift "Gorgona", welche zwischen 1961 und 1966 publiziert wurde. Neben den Mitgliedern der Gruppe finden sich unter den Kontributionen auch Beiträge von Victor Vasarely, Harold Pinter und Dieter Roth. Die erste Ausgabe von Josip Vanista bestand aus der Fotografie eines leeren Schaufensters, die sich exakt gleich auf jeder der neun Seiten des Magazins wiederholt. Während die vorletzte Ausgabe aus leeren Seiten besteht, findet sich in der letzten Ausgabe (beide ebenfalls von Vanista) allein eine Fotografie der Vorderseite zwischen den beiden Umschlagseiten. Insgesamt wurden elf Ausgaben veröffentlicht. Weitere, wie von Piero Manzoni oder von Ivo Gattin (leere zusammengeklebte Seiten), wurden zwar vorbereitet aber nie publiziert.
Die Ausstellung in der Galerie ZAK | BRANICKA hebt nicht nur die Arbeit von Gorgona selbst hervor, sondern auch das breite Spektrum der daraus erwachsenen Kooperationen. Die Gruppe stand im Kontakt mit zahlreichen internationalen Künstlern, die sich ebenfalls durch reduzierteste Mittel zu artikulieren suchten, darunter waren Lucio Fontana, Robert Rauschenberg, Piero Dorazio, Francois Morellet und Enzo Mari. In Anlehnung an Yves Klein entwarf Gorgona beispielsweise einen Vorschlag für die Farbe „Gorgona-Schwarz”, welche sich auf Kleins IKB (International Klein Blue) bezog.
Der Titel "Please Attend" knüpft an die Einladung zu einer 1962 von Gorgona im Studio G kuratierten Ausstellung an, auf der sich nur diese beiden Wörter fanden.
Diese Pressemitteilung basiert auf einem Text von Radonja Leposavic