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ZAK | BRANICKA ist hocherfreut, die erste Ausstellung der Künstlerin Marlena Kudlicka unter dem Titel "the weight of 8" zu präsentieren. Speziell für die Galerieräume hat Kudlicka eine Installation aus drei Objekten entworfen, die zusammen eine Narration bilden, deren Entschlüsselung bereits im Titel deutlich wird. "The weight of 8" beschreibt die Wechselbeziehung zwischen Raum und Sprache. „Die Buchstaben und Wörter dienen der Beschreibung des Raumes, die Zahlen dessen Vermessung. Dennoch sind Wörter nicht im Stande Inhalte präzise widerzuspiegeln, denn sie sind eine subjektive Einschätzung; Ziffern dagegen stehen für Präzision. Ich verbinde diese beiden Formen zu einer neue Sprache”, sagt die Künstlerin.
Die erste Komponente des Projektes "the weight of 8" stellt eine dreidimensionale Komposition aus Metallbuchstaben und –ziffern dar. Sie mutet wie ein proportional auf die Größe des Raumes angepasstes DIN A4 Blatt an, auf dem die Zeichen aufgrund eines Kodierfehlers auseinandergefallen sind und sich verstreut haben um eine neue visuelle Komposition zu erzeugen. Ein zweites Element des Projektes bildet eine im Ausstellungsraum hängende Installation, die nach einer genauen Bemessung der räumlichen Fläche entworfen wurde. Sie scheint wie ein abstrakter „Algorithmus“, der die mathematischen Formeln, ohne auf Zeichen und Ziffern zurückzugreifen, visualisiert. Die dicken Stahlelemente, aus denen die Installation konstruiert wurde, setzen Kontrapunkte zueinander indem beispielsweise das Gewicht des einen mit Hilfe des anderen Elementes nach Außen geführt wird. Ein Stahlobjekt mit doppelter Bedeutung bildet die Verbindung zwischen den beiden: Die erste entspringt der Mathematik (der Statik), denn es handelt sich um ein vergrößertes Doppel-T-Eisen – als tragendes Konstruktionselement von Mies van der Rohe in der Architektur eingeführt –, die zweite Bedeutung resultiert aus der Sprache, denn das Objekt bildet im Querschnitt den Großbuchstabe „I“ und trägt eine konkrete semantische Bedeutung (im Polnischen „und“, im Englischen „ich“, die römische Zahl „1“).
Alle Elemente der Installation basieren auf der Beziehung zwischen Buchstaben, Zahlen, Interpunktion und Materie und deren Gewichtung. Alles hat hier eine Bedeutung: die Art und die Dicke des Materials, die Verarbeitung, sogar die Farbe lässt sich aus mathematischen Formeln herleiten. Wie viel wiegt denn (optisch) die Ziffer „8“ aus dem Titel und welche Farbe hat sie? Um dies zu bemessen reicht es den Titel der Ausstellung laut vorzulesen: ausschlaggebend ist der anwesende bzw. abwesende Buchstabe „w“. In einem Verhältnis 50 % Weiß zu 50% Schwarz erhalten wir Grau.
Kudlicka ist besonders von der Beziehung zwischen Präzision und Fehlerhaftigkeit fasziniert: Ihre Skulpturen werden mit der Exaktheit eines Juweliers hergestellt, gleichzeitig kalkuliert sie aber Fehler im Herstellungsprozess mit ein. Ergebnis dieser Beziehung – und somit auch das Hauptthema der Ausstellung – ist ein Gleichgewicht: dabei nicht nur jenes zwischen Zahl und Wort, oder Abmessung und Farbe, sondern auch die Balance von Gewicht und Gegengewicht. Die Konstruktionen von Kudlickas Skulpturen beruhen auf statistischen Bemessungen, weshalb sie, ein gewisses Misstrauen in die Schwerkraft bewirkend, im Raum zu schweben scheinen oder den Betrachter dazu verführen auf den Zehenspitzen schleichen zu wollen.