Diese Veranstaltung ist bereits beendet.
Szymon Kobylarz Art for Art’s Sake
21. September bis 26. Oktober 2013
Eröffnung am 20. September, 2013, 18 bis 22 Uhr
ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die zweite Einzelausstellung des Künstlers Szymon Kobylarz in der Galerie unter dem Titel Art for Art’s Sake [dt. Kunst um der Kunst willen] zu präsentieren.
Die Idee seines neuesten Projektes wurde 2011 geboren, als Kobylarz in der Galerie Kronika in Bytom eine Installation mit dem Titel Magazynier [dt. Lagerist] zeigte. Für deren Umsetzung nahm er eine Reihe seiner früheren Arbeiten auseinander, um sie daraufhin als Baumaterial für die neue Installation zu nutzen. Diese Art von Recycling, oder anders gesagt Wiederverwertung der Kunst, diente nicht nur der Entrümpelung seines Lagers, sondern stellte gleichzeitig eine Geste des Zweifelns dar: „Ich frage mich, ob es überhaupt Sinn macht, Kunstwerke zu realisieren und umzusetzen,“ sagt Kobylarz. Denn die Erfahrung zeigt, dass Kunst im gesellschaftlichen Bewusstsein hauptsächlich nur als Abbildung ihrer selbst existiert und damit die düsteren Visionen, die Walter Benjamin in dem Essay Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit vorzeichnete, nicht nur wahr geworden sind, sondern von der Wirklichkeit regelrecht übertroffen wurden.
Aus diesen Zweifeln und Fragestellungen ist Kobylarzs neue Serie Art for Art’s Sake entstanden. Ihr Titel bezieht sich auf die Theorie l’art pour l’art der französischen Dichtergruppe Parnassiens aus dem 19. Jahrhundert deren Konzeption – Kunst sollte keinem anderen Zweck dienen als sich selbst – rasch in die Kunstkritik einbezogen wurde.
Art for Art’s Sake ist eine Bilderserie, die Ausstellungen darstellt, welche aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt wurden: entweder war die Realisierung zu teuer, zu kompliziert oder aber aus technischen Gründen gar unmöglich. Manche wären auch schlicht zu langweilig. Dennoch sollten diese Ideen und Konzepte nicht vernachlässigt werden und in Vergessenheit geraten, denn wie schön kann ein Ausstellungsraum sein, der allein nur mit einer Staubschicht bedeckt ist? Wie melancholisch ist ein Museum mit einem Labyrinth aus leeren Vitrinen? Was würde geschehen, wenn Naturphänomene wie ein Regenbogen, das Polarlicht oder Elmsfeuer in einem Ausstellungsraum eingefangen würden?
Kobylarz ist von Beruf Maler und als solcher ist es sein gutes Recht, sowohl an die Malerei zu glauben, als auch an ihr zu zweifeln. Gerade weil man seine technische Fertigkeit als perfekt bezeichnen kann: er ist handwerklich derart begabt, dass es kein Motiv oder Thema zu geben scheint, welches ihm Schwierigkeiten bereiten würde. Eben aus diesem Grund beschloss er, die Malerei auf die Probe zu stellen und ihre Grenzen zu testen, indem er ihre Charakteristika und ihren Status in Frage stellt: Obwohl Malerei im Allgemeinen nicht dem Zweck der Dokumentation dient, nutzt Kobylarz sie doch als Medium derselben.
Für Kobylarz ist allein die Idee einer Ausstellung schon ausreichend, deren Realisierung scheint ihm beinahe überflüssig. Die Komposition seiner Bilder ist sehr schlicht, und mutet wie eine einfache fotografische Dokumentation an. Diese Wirkung wird von dem Umstand verstärkt, dass er seine hypothetischen Ausstellungen in real existierenden Galerien und Ausstellungsräumen stattfinden lässt. Das Ziel dieses Vorgehens ist Objektivität, nur dass diese Dokumentation eben eine Fiktion dokumentiert. Ist dies eine Geste des Widerstandes gegen die heutzutage herrschende künstlerische Überproduktion, ein Beweis für ein Zweifeln an der Kunst oder eine Sehnsucht nach Uneigennützigkeit der Kunst?
Während seiner Arbeit an der Serie stellte Kobylarz gar fest, dass das Aufgeben der Realisierung dieser Projekte und Ideen ihn nicht nur von verschiedenen technischen Problemen, wie Lagerung und Aufbau befreit, sondern sich ihm zur gleichen Zeit dank der Möglichkeiten der Malerei auch eine Tür für solche Projekte öffnet, die vorher unmöglich erschienen. Für Kobylarz bedeutet dies Umsetzung durch Verweigerung; auf gewisse Art und Weise ist Art for Art’s Sake also sein persönlicher Triumph der Konstruktion über die Dekonstruktion.
Szymon Kobylarz wurde 1981 in Świętochłowice geboren, er lebt und arbeitet in Kattowitz. Nach seinem Studium an der Akademie der Künste, Kattowitz (2002–2007) wurde er 2009 vom Direktor der BWA Galerie für zeitgenössische Kunst in Breslau im Rahmen des Geppert-Preises ausgez¬eichnet. Noch bis zum 2. Februar 2014 wird seine Arbeit Nose Punch Machine in der Gruppenausstellung Slapstick! zusammen mit Arbeiten unter anderem von Marcel Duchamp, Peter Fischli/David Weiss, und Bruce Nauman im Kunstmuseum Wolfsburg zu sehen sein. Im September 2013 erscheint ein die Serie Art for Art’s Sake begleitender Katalog in englischer und polnischer Sprache.