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ZAK | BRANICKA ist hocherfreut, während des Gallery Weekend Berlin 2013 die Ausstellung „Bilder der Berührung" mit Arbeiten von VALIE EXPORT zu präsentieren. Das besondere Augenmerk der Ausstellung liegt auf den Arbeiten der Künstlerin, in denen Berührung und Implikationen von Berührung in verschiedenen Medien, darunter Installation, Zeichnung, Fotografie, Video und archiviertes Material, Ausdruck finden. Als eine Schlüsselfigur der zeitgenössischen Kunst seit den sechziger Jahren hat VALIE EXPORT eine wegweisende und entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Performance-Kunst, Feminismus und Aktionskunst sowie konzeptueller Fotografie und Film gespielt. In 1970 nahm die Künstlerin mit dem Namen VALIE EXPORT eine künstlerische Identität an. Stets in Versalien geschrieben ist dieser ein Kennzeichen ihrer Arbeit und Hinweis auf die Selbstpositionierung der Künstlerin angesichts einer männlich dominierten Gesellschaft sowie einer Ökonomisierung von Namen als Marken.
Der Titel der Ausstellung ist VALIE EXPORTs Installationsarbeit „Fragmente der Bilder einer Berührung" von 1994 entlehnt, in welcher an Stangen und Drähten hängende Glühbirnen rhythmisch in verschiedene Glaszylinder eingetaucht werden, die mit Milch, Altöl oder Wasser gefüllt sind. Diese Flüssigkeiten stellen grundlegende Quellen unseres Daseins dar. Zugleich deutet ihre materielle Fusion mit Elektrizität eine lebensbedrohliche Gefahr an – ein widersprüchliches und ebenso gegenseitig bedingtes Verhältnis von Anziehung und Abkehr. Die rhythmische Bewegung in dieser Arbeit wiederholt sich in einer zweiten Installation der Ausstellung, „Die un-endliche/-ähnliche Melodie der Stränge" von 1998, worin die Aufnahme einer fadenlosen Nähmaschine und deren Geräusch zu sehen und zu hören sind.
Berührung, Liminalität und sinnliche Erfahrung durchdringen als Themen gleichermaßen die Videoarbeiten der Künstlerin. Unter der gezeigten Auswahl ist eine ihrer bekanntesten Arbeiten, „TAPP- und TASTKINO" (die Münchner Aufführung aus dem Jahr 1969), eine Performance, während welcher die Künstlerin eine Aluminiumbox um die nackte Brust trug. Passant/-innen war es erlaubt, mit den Händen als Besucher/-innen in ihr Miniaturkino einzutreten. „Um den Film zu sehen, d.h., in diesem Fall zu spüren und zu fühlen, muss der Zuschauer (Benutzer) seine beiden Hände durch den Eingang in den Kinosaal führen. Damit hebt sich der Vorhang, der bisher nur für die Augen sich hob, nun endlich auch für beide Hände. Die taktile Rezeption steht gegen den Betrug des Voyeurismus. Denn solang der Bürger mit der reproduzierten Kopie sexueller Freiheit sich begnügt, erspart sich der Staat die sexuelle Revolution“, legt EXPORT dar. In ihrer Konfrontation und Aneignung des männlichen Blicks ist diese Aktion zu einer Ikone feministischer Kunst geworden.
Wieder taucht das Motiv der Berührung in VALIE EXPORTs Serie von Zeichnungen der anfänglichen 1970er Jahre auf. Diese Arbeiten zeigen Darstellungen von Händen, die beschützen oder streicheln, Händen, die leiden, und Händen, die Leiden schaffen. Genauso wie die anderen konfigurieren sie ein ikonographisches Verzeichnis des menschlichen Körpers, insbesondere des weiblichen Körpers, dessen Einzelteile mit Bedeutung eingeschrieben sind und Bedeutung einschreiben. Am aufschlussreichsten ist hierbei seine Fähigkeit zur „Berührung“: Sie ist Zeugnis nicht nur von Sinnlichkeit, Intimität und Begehren, sondern auch von Aggression und Gewalt. Wie EXPORT sagt: „Berührung ist für mich etwas wie und wo Grenzen erkannt werden und wie und wo und wann Grenzen explodieren.“
Ergänzt wird die Ausstellung neben den vorgenannten Arbeiten durch Fotografien und Vitrinen mit Archiv- und Dokumentationsmaterial aus der langjährigen künstlerischen Praxis EXPORTs (zusammengestellt für die Ausstellung „VALIE EXPORT – Archiv", Kunsthaus Bregenz, 2011).