Was die Gursky Fotografie "Paris. Montparnasse" mit Anstand und Moral zu tun hat
Am kommenden Donnerstag versteigert das Auktionshaus Sotheby's in seiner Abendauktion zahlreiche Werke zeitgenössischer Kunst. Darunter befindet sich auch die Fotografie "Paris. Montparnasse" von Andreas Gursky, welche von der Deutschen Telekom eingeliefert wurde.

Deutsche Telekom lässt Gursky Fotografie bei Sotheby

Dieser Umstand führte jetzt zu einem Aufschrei bei der FAZ. Rose-Maria Gropp kritisiert im Artikel "Auktionen in London - Hier gibt es eine moralische Verpflichtung", den Umstand, dass ein besonderes Werk von einem der z. Zt. bedeutendsten zeitgenössischen Künstler von der Deutschen Telekom so einfach auf den Kunstmarkt geworfen wird. Der klammheimliche Verkauf, denn in Sotheby's Auktionskatalog wird der bisherige Eigentümer (Dt. Telekom) nicht genannt, wirkt in der Tat seltsam. Nach Auffassung der Autorin Rose-Maria Gropp hätte sich das Bild "Paris. Montparnasse" als Dauerleihgabe in einem deutschen Museum besser gemacht.
UPDATE: Gursky Fotografie erzielt 2,383 Millionen Dollar

Andreas Gursky Paris Montparnasse
Andreas Gursky "Paris. Montparnasse", 1993 149 x 354cm, Foto: © Sotheby's

Hintergrund zu "Paris. Montparnasse" von Andreas Gursky

Das Bild, so Sotheby's, habe der bisherige Eigentümer - also die Deutsche Telekom, ca. im Jahr 1996 direkt vom Künstler erworben. In jenem Jahr ging der deutsche Konzern mit großem "Theater" mit der sogenannten "Volksaktie" an die Börse. Das war am 18.November 1996. Zuvor war der Bund alleiniger Aktionär. Wann die Gursky-Fotografie in jenem Jahr genau angekauft wurde, ist bisher nicht bekannt. Unter Umständen könnte es also sein das mit der Umwandlung eines Staatsunternehmens in ein eigenständiges Aktienunternehmen, es auch zu einem automatischen Besitzerwechsel der Gursky Aufnahme "Paris. Montparnasse" kam. Das wird allerdings mit anderen materiellen Werten wie Immobilien, Grundstücken und auch weiteren Kunstwerken ebenfalls geschehen sein.

Rendite & Kunst

Rose-Maria Gropp kritisiert Anstand und Moral dieses vermeintlich heimlichen Verkaufs durch die Deutsche Telekom. Die Rendite der auf 1,169 — 1,753 Millionen Euro geschätzten Fotografie von Andreas Gursky dürfte phänomenal sein. Es könnte sogar sein das "Paris. Montparnasse" am Donnerstag die teuerste jemals versteigerte Fotografie wird. Bisher war dies die großformatige Arbeit „Rhein II“ von und jetzt raten Sie mal - natürlich Andreas Gursky. Diese wurde vor fast genau 2 Jahren bei Christie's für 4.338.500 Dollar (inkl. aller Gebühren) versteigert.

Moral & Kunstmarkt

Ist die Anstands- und Moralkeule der FAZ & Rose-Maria Gropp berechtigt? Denn zur ganzen Wahrheit gehört auch, das mit den Erlösen von "Paris. Montparnasse" wieder in neue zeitgenössische Kunst investiert werden soll. Sicher hätte die Deutsche Telekom das Thema offensiver angehen und im besten Fall die Grusky-Fotografie einem deutschen Museum als Dauerleihgabe anbieten können. Aber Anstand, Moral und der Kunstmarkt sind drei schwer miteinander kombinierbare Größen.

Links zum Thema:
- Autorin Rose-Maria Gropp bei Google+
- Auktionen in London - Hier gibt es eine moralische Verpflichtung (faz.net)

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