Geschäftsmodelle im Web 2.0 für den Bereich Kunst und Kunstmarkt
Im Zuge der startconference „start.10“ wurde in Zusammenarbeit mit dem Kulturmanagement Network eine Blogparade gestartet zum Thema „Geschäftsmodelle im Web 2.0“.

Chancen im Web 2.0 für Museen, Galerien und Künstler

Unser Beitrag schaut sich den Bereich Kunst und Kunstmarkt an. Welche Geschäftsmodelle gibt es schon und welche Ideen hätten durchaus Potential. Abschließend finden Sie die Beiträge aller Teilnehmer der Blogparade am Ende dieses Artikels.
- alle Beiträge zum Thema "Geschäftsmodelle im Web 2.0 für den Bereich Kunst und Kunstmarkt"

Obwohl der Begriff Web 2.0 seit fast 6 Jahren durch das Internet geistert und damit schon fast ein antiquarischer Begriff ist, suchen viele Inhaber von Communities und besonders die Verlage der Generation 1.0 immer noch nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Die Aussicht mit User generierten Content Millionen zu verdienen war zu verlockend. Auf vernünftige und durchdachte Geschäftsmodelle wurde verzichtet, Hauptsache man ist dabei.

Geschäftsmodelle im Web 2.0

Die Anfänge der Art-Communities

Im Bereich Kunst muss man hier rhizome.org nennen. 1996 ins Leben gerufen, diente die Plattform zunähst als Ankündigungsportal und Mailingliste für Ausstellungen, sowie als Austauschmöglichkeit für Künstler. Heute fungiert rhizome.org unter dem Dach des New Yorker New Museum.

Saatchis Gallery – ein cleveres Geschäftsmodell

Charles Saatchi, Werbeikone und Sammlermogul, stellte vor Jahren eine Plattform in engen Bezug mit seiner eigenen Galerie ins Netz. Der Entdecker, Förderer und einer der größten Profiteure der Brit-Art Kunst (z.B. Damien Hirst), ermöglicht Künstlern weltweit sich auf seinem Portal zu präsentieren und kostenlos Kunstwerke hochzuladen. Sogar der provisionsfreie Verkauf der Werke über die Plattform war und ist möglich. User konnten zudem ihre Werke bewerten lassen. Saatchi nutzte diese Möglichkeit auf seine eigne Art. Volkes Wille produzierte ganz automatisch hoffnungsvolle Nachwuchskünstler. Der User als Kunstkritiker und Kurator. War das nicht der Sinn des Web 2.0.
Saatchi nutzte seine Marktmacht und Bekanntheit, lud die beliebtesten Künstler und deren Werke ein und präsentierte diese auf der Kunstmesse Scope. Dort konnte man dann die Werke kaufen. Da die Kunst ja aus dem Hause Saatchi kam, musste diese ja gut sein. Schließlich hatten sich die Werke eines Damien Hirst ja in den letzten Jahren als Highflyer am Kunstmarkt entwickelt.

Web 2.0 als Marketingmittel und indirektes Geschäftsmodell
Das Web 2.0 nicht nur – User generieren den Content – bedeutet, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Museen wie das Städel in Frankfurt und das NRW-Forum leben dies im deutschsprachigen Raum vorbildlich vor. Man holt die Zielgruppe dort ab wo diese sich aufhält, bzw. kommuniziert über die Kanäle welche heute wirklich genutzt werden. Will man junges und bereits bestehendes Ausstellungspublikum weiterhin erreichen und begeistern, kommt man an twitter, facebook, flickr, youtube und Co. nicht mehr vorbei. Begeistert eine Ausstellung, verbreitet dies sich in Sekundenschnelle über alle erdenklichen digitalen Kanäle.
Aufgabe von Museen ist es, die richtigen Informationen bereit zu stellen und die Community zu pflegen. Die Verbreitung der Informationen (Inhalte wie Daten, Videos, Bilder etc.), insofern interessant aufbereitet, erfolgt fast von selbst.

Wichtig ist hier nicht nur die Ansprache und das Auffinden der vermeintlichen Interessierten, sondern auch das Identifizieren und Pflegen Ihrer Meinungsführer. Dies können z.B. bestimmte Blogs oder Portale sein.
Das Ergebnis der genauen Beobachtung und Kommunikation mit seiner Zielgruppe wird sich mit Sicherheit auch auf die Erlöse dieser Einrichtungen auswirken. Das können banal gesagt, höhere Umsätze im Museumsshop oder ein höherer Abverkauf der Ausstellungskataloge sein und natürlich mehr Besucher.

JpgMag – Fotografien veröffentlichen, bewerten und drucken
Das Prinzip ist so genial wie einfach. Auf jpgmag.com kann man sich anmelden und Fotos hoch laden. Ok da gibt es im Netz weitere tausend Möglichkeiten für. Aber hier wird zu einem bestimmten Thema jeweils nur 1 Bild akzeptiert. Danach stimmt die Foto-Community ab und die Gewinner werden im sogenannten JpgMag veröffentlicht. Abonennten erhalten das Magazin in digitaler Form oder können es zum Sonderpreis über magcloud.com als Printobjekt ordern. Vorteil ist der Verzicht auf hohe Druckkosten im Vorfeld. Denn die Printausgabe bei magcloud.com wird erst bei Bedarf (Order) gedruckt. Zusätzliche Einnahmen erzielt das JpgMag über Werbung.

Fazit zu Geschäftsmodelle im Web 2.0

Die drei Beispiele zeigen auf unterschiedliche Art und Weise wie man die Chancen des Web 2.0 nutzen kann und sogar noch profitabel damit arbeitet. Saatchi nutzt dazu eine bestehende Marktmacht aus und funktioniert, ähnlich dem Google-Prinzip, kostenlos aber mit Gegenleistung.
Das Web 2.0 als Marketinginstrument zu benutzen und damit indirekt die Umsätze anzukurbeln, wie es das Beispiel der Museen zeigt, ist womöglich das am häufigsten verbreitete Prinzip User bzw. die Zielgruppe anzusprechen und zu binden. JpgMag zeigt wie man durchaus aus User generierten Content eine Win-to-Win Situation schafft und damit auch noch Geld verdienen kann.

Anmerkungen und Ideen zu Geschäftsmodellen im Web 2.0 Die Idee wie es das JpgMag umsetzt, könnte auch zum Beispiel mit Editionskunst funktionieren. Kunstwerke von Künstler hoch laden lassen. Die Community entscheidet welche als Auflagenkunst vom Anbieter gedruckt werden soll. Danach gibt es die limitierten Kunstwerke z.B. für Mitglieder zum Sonderpreis, ähnlich wie bei den Jahresgaben der Kunstvereine . Normale Käufer müssen einen höheren Preis in Kauf nehmen. Sind die limitierten Auflagen vergriffen ist sogar eine Wertsteigerung der Werke möglich. Die zweite Stufe wäre die Schaffung eines Second-Markets. Bedeutet, man kann einen Marktplatz für bereits ausverkaufte Werke schaffen. Sammler die sich von Werken trennen wollen, haben die Möglichkeit Ihre Werke dort zum Kauf anzubieten.

» Das ebook ist seit mehreren Tagen nun fertig und steht entweder zum Download bereit, oder wie hier als Onlineversion:

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