Hilma af Klint die vergessene Künstlerin der abstrakten Malerei
Hat die Kunstgeschichte die schwedische Künstlerin Hilma af Klint (1862–1944) einfach vergessen? Eine Ausstellungstournee von Stockholm über Berlin bis Malaga ruft uns eine Pionierin der abstrakten Malerei jetzt ins Gedächtnis zurück.

Ausstellung - Muss die Kunstgeschichte umgeschrieben werden?

Denkt man an abstrakte Kunst, gehen wohl vielen von uns sofort die Namen Wassily Kandinsky, Piet Mondrian oder Kasimir Malewitsch durch den Kopf. Sie gelten als die Mitbegründer eines neuen Stils, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelte - die abstrakte Malerei. Doch wer kennt Hilma af Klint, die am 26. Oktober 1862 auf Schloss Karlberg in Solna geborene schwedische Malerin? In der Kunstgeschichte war sie fast ausgeblendet und ihr Name eigentlich nur Insidern bekannt.

Ganz unbeteiligt an diesem Phänomen war Hilma af Klint nicht. Noch zu Lebzeiten untersagte sie jede Art von Ausstellung ihrer Werke. Auch wie mit ihren Werken nach dem Tod der Malerin im Jahr 1944 umgegangen werden sollte, legte sie noch zu Lebzeiten fest. Erst 20 Jahre nach ihrem Tod durften die Bilder von Hilma af Klint öffentlich gezeigt werden. Kleinere Ausstellungen wurden erst wieder in den 1980er gezeigt. Die schwedische Stiftung "Stiftelsen Hilma af Klints Verk", die heute über das Werk der Künstlerin wacht, sorgt gar dafür das keines ihrer Bilder auf den Kunstmarkt gelangt.

Hilma af Klint stammte aus einer wohlhabenden schwedischen Familie und war eine der ersten Frauen an der Königlichen Akademie der freien Künste in Stockholm (1882 bis 1887). Bereits ab 1906 entstanden erste abstrakte Arbeiten. Bis 1915 fertigte die Künstlerin rund 200 Werke an, darunter viele großformatige Arbeiten. Ihr Interesse an Theosophie, Anthroposophie und Spiritismus waren Inspirationsquellen für ihre Gemälde. Hinterlassen hat Hilma af Klint über 1000 Gemälde, Skizzen und Aquarelle.

Hilma af Klint - Pionierin der abstrakten Kunst?

War Hilma af Klint die Pionierin der abstrakten Kunst und muss die Kunstgeschichte jetzt umgeschrieben werden. Die FAZ jedenfalls forderte dies bereits 2011 und jetzt erneut anlässlich der Hilma af Klint Ausstellungen in drei europäischen Städten. Das MoMA in New York zeigte 1936 die Ausstellung "Cubism and Abstract Art". Für den damaligen Ausstellungskatalog entwickelte Alfred Barr sein berühmtes Cover, welches die Einflüsse der abstrakten Kunst skizzierte. Welche Künstlerin man in der wichtigen Übersichtsschau damals vergeblich suchte, war Hilma af Klint. Auch 77 Jahre später hat sich an dieser Tatsache nicht geändert. Und wieder ist das MoMA, welches in der opulenten Schau „Inventing Abstraction“ an die Anfänge des Abstrakten vor 100 Jahren erinnert. Und welche Werke sucht man vergebens in der Ausstellung. Sie ahnen es schon, oder.

Kubismus abstrakte Kunst
Alfred Barr's berühmtes Cover zu "Cubism and Abstract Art"

Hilma af Klint in Stockholm, Berlin und Malaga
Da kommt die Ausstellung "Hilma af Klint - Eine Pionierin der Abstraktion" gerade rechtzeitig. Gezeigt wird die überfällige Werkschau mit rund 200 Arbeiten, z. Zt. in Stockholm, danach in Berlin und abschließend in Malaga (Museo Picasso). Vom 15. Juni bis zum 6. Oktober 2013 wird die Retrospektive dann im Hamburger Bahnhof in Berlin zu sehen sein.
Moderna Museet, Stockholm 16.2.–26.5.2013
Hamburger Bahnhof –Museum für Gegenwart, Berlin 15.6.–6.10.2013
Musée Picasso, Malaga 21.10.2013–9.2.2014

Katalog Hilma af Klint
Zur Ausstellung erschien ein großartiger und umfangreicher Katalog zur schwedischen Künstlerin. Auf fast 300 Seiten kann man in das Werk der Hilma af Klint abtauchen. Von den Anfängen ihrer Malerei wird der Übergang zur abstrakten Kunst sichtbar. Abgebildet sind rund 270 Werke wie Gemälde, Zeichnungen und Künstlerbücher (Skizzenbücher). Erschienen ist der Katalog im Hatje Cantz Verlag einmal auf Englisch und Deutsch. Während die englische Fassung bereits erschienen ist, wir die deutsche Version zur Ausstellung in Berlin verfügbar sein.

Hilma af Klint Katalog + Ausstellung
Hilma af Klint Katalog, Coverbild Hatje Cantz Verlag

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