Flüchtlingspolitik: Künstler Vik Muniz lässt riesiges Papierschiff in Venedig schwimmen
Europas Flüchtlingspolitik ist desaströs. Während europäische Spitzenpolitiker immer noch diskutieren, statt zu handeln, färbt sich das Mittelmeer weiter rot. Zur Biennale in Venedig lässt nun der Künstler Vik Muniz ein riesiges Papierschiff in die Lagunenstadt einlaufen.

Biennale Venedig - Flüchtlinge, Boat People + Kunstaktion

Die Aufmerksamkeit während der Venedig Biennale für sein geplantes Papierschiff "Lampedusa" dürfte dem gefeierten brasilianischen Künstler Vik Muniz gewiss sein. Während das internationale Kunst-Jetset Publikum ihre Jachten in der Lagunenstadt festmachen, wird Vik Muniz Papierboot durch den Hafen und die Kanäle schippern. Entstanden ist die Idee als Reaktion auf das tragische Unglück, welches sich im Oktober 2013 vor Lampedusa ereignete. Damals sank ein Boot mit Migranten aus Libyen vor der italienischen Küste. Man schätzte die Zahl der Toten auf 350. Die dramatischen Ereignisse am vergangenen Wochenende, als ein erneut ein Boot mit Hunderten von Flüchtlingen sank, erhöhte den Druck auf die europäische Politik endlich zu handeln, anstatt zu diskutieren.

Man könnte nun meinen da komme die Kunstaktion von Vik Muniz gerade recht. Das Boot ließ Muniz von venezianischen Handwerkern anfertigen. Es besteht aus einer Holzkonstruktion und einer riesigen Reproduktion einer italienischen Tageszeitung, auf der die Berichterstattung über die Tragödie vor Lampedusa zu erkennen ist.

Geht Vik Muniz Papierschiff "Lampedusa" weit genug?

Ist die Kunstaktion genau die Kritik, die es jetzt braucht? Oder ist sie nur ein weiterer Akt im Betroffenheits-Zirkus? Muniz Papierschiff "Lampedusa" gehe nicht weit genug, ist noch die harmloseste Kritik, die ihm dieser Tage entgegenschlägt (Guardian). Vik Muniz selbst sieht sein Werk auch eher als Metapher:

"Es ist keine Kritik, es ist eine Plattform. Sobald Sie es gesehen haben und Sie darüber nachgedacht haben, haben Sie vielleicht das Bedürfnis, darüber zu diskutieren."

Wahrscheinlich ist es genau dieser Punkt. Das Wort "Diskussion" in Zusammenhang mit den dramatischen Schicksalen der Flüchtlinge im Mittelmeer ist nur noch schwer auszuhalten. Kann Kunst überhaupt eine adäquate künstlerische Antwort auf solche Ereignisse geben? Wenn ja, dann müsste diese wesentlich aggressiver ausfallen, als das Papierschiff von Vik Muniz.(Guardian)

Die Stadt und eines der größten Kunstereignisse, die Biennale Venedig, mag ja genau der richtige Ort für solche Kunstaktionen sein. Aber "hinterher gibt es Häppchen und Prosecco" (Dirk Schümmer, welt.de).

Links zum Thema:
- Lampedusa: Migration and Desire - Interview mit Vik Muniz
- A giant paper boat? Art’s response to migrant drownings should be way more aggressive (Guardian)
- Betroffenheit ist längst Bestandteil der Schlepper-Industrie (welt.de)

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