Patti Smith, Brian Eno für den Vatikan auf der Biennale Venedig
Alexander Kluge, Patti Smith, Brian Eno und andere Künstler:Innen vertreten den Vatikan auf der 61. Biennale in Venedig.

Biennale Beitrag

Mit einem ungewöhnlich sinnlichen Ansatz positioniert sich der Pavillon des Vatikans auf der 61. Internationalen Kunstausstellung der Biennale von Venedig als Gegenpol zur visuellen Reizüberflutung der Gegenwart. Unter dem Titel „The Ear is the Eye of the Soul“ rückt das Projekt nicht das Sehen, sondern das Hören ins Zentrum künstlerischer Erfahrung – und setzt damit ein bewusst entschleunigtes Zeichen innerhalb eines globalen Mega-Events.

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Kuratiert von Hans Ulrich Obrist und Ben Vickers, vereint der Beitrag des Vatikans insgesamt 24 internationale Künstlerinnen und Künstler aus den Bereichen Musik, Literatur, Film und bildende Kunst. Zu den prominentesten Namen zählen Patti Smith, Brian Eno sowie FKA Twigs, deren Arbeiten eigens für diesen Kontext entwickelt wurden.

Alle Künstler:
Alexander Kluge (+), die Ordensfrauen der Benediktiner-Abtei der Heiligen Hildegard in Eibingen, Bhanu Kapil, Brian Eno, Carminho, Caterina Barbieri, Devonté Hynes, FKA Twigs, Holly Herndon & Mat Dryhurst, Ilda David’, Jim Jarmusch, Kali Malone, Kazu Makino, Laraaji, Meredith Monk, Moor Mother, Otobong Nkanga, Patti Smith, Precious Okoyomon, Raúl Zurita, Soundwalk Collective, Suzanne Ciani, Tatiana Bilbao, Terry Riley

Klang als spirituelle Praxis

Im Zentrum des kuratorischen Konzepts steht die mittelalterliche Mystikerin Hildegard von Bingen, deren Werk als Inspirationsquelle für alle Beiträge dient. Die Ausstellung versteht sich dabei weniger als klassische Präsentation denn als „klangliches Gebet“ – eine Einladung zur kontemplativen Erfahrung, die Hören als aktiven, fast meditativen Akt begreift.

Diese Haltung spiegelt sich auch in der räumlichen Inszenierung wider: Der Pavillon verteilt sich auf zwei Orte in Venedig – einen abgeschiedenen Klostergarten im Stadtteil Cannaregio sowie einen ehemaligen religiösen Komplex in Castello. Während im Garten über Kopfhörer zugängliche Klangarbeiten präsentiert werden, entfaltet sich im Innenraum eine Mischung aus Installation, Text und Archivmaterial.

Vatikan Beitrag als leise Gegenposition

In einer Biennale, die traditionell von visuellen Großgesten geprägt ist, formuliert der Beitrag des Heiligen Stuhls eine bewusst leise Gegenposition. Das Projekt greift damit auch das kuratorische Leitmotiv der Gesamtausstellung – „In Minor Keys“ – auf, das zu einer sensibleren Wahrnehmung und einer neuen Aufmerksamkeit für Zwischentöne aufruft.

Die Entscheidung für Klang als primäres Medium ist dabei nicht nur ästhetisch, sondern auch programmatisch: Sie fordert die Besucherinnen und Besucher auf, sich Zeit zu nehmen, innezuhalten und sich auf eine Form der Wahrnehmung einzulassen, die im hektischen Ausstellungsbetrieb selten geworden ist.

Zwischen Kunst und Glauben

Der Pavillon des Vatikans zeigt einmal mehr, wie religiöse Institutionen zunehmend als Akteure im zeitgenössischen Kunstdiskurs auftreten. Bereits in den vergangenen Jahren hatte der Heilige Stuhl mit unkonventionellen Ausstellungsorten und gesellschaftspolitischen Themen Aufmerksamkeit erregt.

Mit der diesjährigen Ausgabe wird dieser Ansatz weitergeführt – jedoch mit einer stärkeren Fokussierung auf immaterielle Erfahrung und spirituelle Resonanz. Kunst wird hier nicht als Objekt, sondern als Zustand verstanden: flüchtig, auditiv und zutiefst subjektiv.

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