Artspace übernahme durch Phaidon - Konsolidierung im Online-Kunstmarkt
Die in den vergangenen Tagen bekannt gewordene übernahme der Kunstplattform Artspace durch Phaidon d?rfte erst der Anfang einer Konsolidierung im Online-Kunstmarkt sein. Dazu passt auch der Verkauf von Saatchi Art an Demand Media.

Kunsthandel - erste Übernahmen im Onlinegeschäft

In den letzten zwei bis 3 Jahren schossen Kunst-Start-ups wie Pilze aus dem Boden. Artspace, Artsy, Paddle 8, Auctionata oder auch die Vip Art Fair. Viele dieser Kunstplattformen wurden in verschiedenen Finanzierungsrunden mit Investmentkapital ausgestattet. Doch wie hoch die Umsätze der einzelnen Unternehmen waren und sind, lässt sich nur spekulieren. Mit Zahlen geizten die Kunst-Start-ups bisher. Einzig vom Branchen-Dino Artnet, da börsennotiert, und Auctionata gab es einige Kennzahlen.

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Die jetzt von Phaidon übernommene Kunstplattform Artspace gibt es erst seit 2011. Im April 2013 übernahm das Unternehmen die Online-Kunstmesse Vip Art für einen unbekannten Betrag. Der Grund dürfte damals in der Kontaktliste von mehreren Tausend Sammlern gelegen haben. Wie viel Phaidon für Artspace gezahlt hat, ist unklar. Doch mehr als eine einstellige mittlere Millionensumme dürfte es wohl nicht gewesen sein. Denn die bot ein anderer Mitbewerber. Das Berliner Online-Auktionshaus Auctionata bot den Artspace-Betreibern, rund 5 Millionen Dollar, allerdings wohl nur für das Lager (Quelle: Artnet + Bloomberg).

Phaidon und Artspace, das könnte passen. Beide haben zu großen Teilen sich überschneidende Zielgruppen. Nach Aussagen vom Verlag soll die Kunstplattform selbstständig weiterarbeiten. Man will lediglich die sich ergebenen Synergien nutzen.

Mutiert Artspace nur zum Spielball eines Hedge Fonds Managers?

Denn hinter der Übernahme von Artspace durch den Phaidon Verlag stecken die Millionen des Hedge Fonds Manager Leon Schwarz. Dieser ist CEO und Gründer der Private-Equity-Gesellschaft Apollo Global Management und nebenbei noch einer der größten Kunstsammler weltweit. Im Jahr 2012 kaufte er damals für die Rekordsumme von 119 Millionen Dollar "Der Schrei" von Edvard Munch. Im selben Jahr kaufte Leon Schwarz auch jenen Phaidon Verlag, der jetzt Artspace übernahm. Auch an der Kunst-App ArtBinder ist der Hedge Fonds Manager beteiligt. Ob Leon Schwarz mit seinen Millionen & Milliarden hier nur ein kostspieliges Kunsthobby pflegt oder dahinter eine wirkliche tragfähige Geschäftsstrategie steckt, bleibt abzuwarten.

Dass die Artspace's und Artsy's dieser Welt nicht alle überleben würden und werden, war angesichts derselben Zielgruppe und der sich nicht wirklich unterscheidenden Konzepte absehbar. Hierein passt auch der zweite Deal, der in diesen Tagen bekannt wurde. Saatchi Art, eine Kunstplattform, die vor vielen Jahren vom Werber und Sammler Charles Saatchi gestartet wurde, ging für rund 17 Millionen Dollar an den US-Medienkonzern Demand Media. Saatchi Art ermöglicht vornehmlich jungen Künstlern ihre Werke auf der Plattform zu veröffentlichen und zu verkaufen. Nach Angaben von Demand Media macht die Kunstplattform derzeit 0,5 bis 1 Million Dollar Umsatz pro Quartal.

Der Online-Kunsthandel ist also kräftig in Bewegung und dürfte vorerst auch nicht zur Ruhe kommen. Erst kürzlich gaben Sotheby's und eBay ihre künftige Kooperation im Online-Kunstmarkt bekannt. Auch das deutsche Kunsthandelsunternehmen Weng Fine Art will mit einer neuen Schweizer Tochtergesellschaft, der WFA Online AG, den Onlinehandel mit zeitgenössischer Kunst erobern. Die Halbjahreszahlen des Konkurrenten Artnet zeigen allerdings auch, das es sich um einen Nischenmarkt handelt. Zwar konnten die Berliner im Segment Auktionen ihren Umsatz im Vergleich zum ersten Halbjahr 2013 um 17,6 % steigern, aber 1,3 Millionen Euro sind eben noch weit weg von den Zahlen der Branchenriesen Sotheby's und Christie's. Es ist wahrscheinlich die Kombination aus Off- und Onlinewelt die zum Erfolg führen könnte.

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