Kunstschatz - das Geheimnis der 1500 wiederentdeckten Kunstwerke von München
Das Focus-Magazin berichtet in seiner Titelgeschichte "Der Nazi-Schatz - Sensations-Fund nach Jahren" von 1500 wiederentdeckten Gemälden, Zeichnungen, Grafiken und Radierungen, die in einer Münchener Wohnung sichergestellt wurden.

Nazi-Kunstschatz in München sichergestellt

In der Tat ist der Fund die Geschichte des Jahres, wahrscheinlich sogar der letzten Jahre. Zu den Kunstwerken die bereits 2011 sichergestellt wurden, zählen bedeutende Werke von Chagall, Picasso, Franz Marc oder Emil Nolde. Doch wie kamen die Bilder in die Wohnung nach München und konnten jahrzehntelang versteckt und geheim gehalten werden? Im Zug an der Deutsch-Schweizer Grenze nimmt die unglaubliche Geschichte im Jahr 2010 ihren Anfang.

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Dort wird ein älterer Herr namens Cornelius Gurlitt an der Grenze kontrolliert. Er hat 9.000 Euro Bargeld bei sich, gerade einmal 1000 Euro unter der erlaubten Grenze von 10000 Euro, die man beim Grenzübertritt bei sich tragen darf. Nach Berichten des Focus, soll er an jenem Tag wahrscheinlich mindestens ein Werk an die Berner Galerie Kornfeld verkauft haben. Die Zollfahnder lassen Cornelius Gurlitt zwar im September 2010 passieren, fangen aber an zu recherchieren. Denn der Name Gurlitt ist kein Unbekannter im deutschen Kunstmarkt.

Kunstschatz - 1500 Kunstwerke in München wiederentdeckt
"Der Nazi-Schatz - Sensations-Fund nach Jahren", Focus-Titelbild (Ausschnitt)

Werke der "entarteten Kunst" wiedergefunden

Der Vater, Hildebrand Gurlitt, war Kunsthändler und Sammler in der Nazi-Zeit. Trotz seiner jüdischen Wurzeln wurde er von den Nazis als Einkäufer für den „Sonderauftrag Linz“ eingesetzt. Als Hitler 1938 das „Gesetz über Einziehung von Erzeugnissen entarteter Kunst” verabschiedete, war u.a. Hildebrand Gurlitt dafür zuständig „entartete Kunst“ aus deutschen Museen ins Ausland zu verkaufen. Zu jener Zeit begann der größte Kunstraub der Geschichte. Zu den Galerien, an die verschiedene Werke der "entarteten Kunst" verkauft wurden, zählte u.a. die von Wolfgang Gurlitt, welcher der Cousin von Hildebrand Gurlitt war.

Nachdem Hildebrand Gurlitt erfolgreich das Entnazifizierungsverfahren durchlaufen hatte, nahm er sofort Kontakt zu verschiedenen Galerien auf, um sich sein Wissen über den Verbleib von Tausenden Werken der Moderne vergolden zu lassen. Wie viele Kunstwerke aus jener Zeit Gurlitt selbst für sich vereinnahmte, ist völlig unklar.

Unter den 1500 sichergestellten Kunstwerken in München, befinden sich mindestens 500 Werke, bei denen der Verdacht besteht, dass sie sich vor 1938 im Besitz verschiedener jüdischer Sammler befanden. Nach ersten Untersuchungen handelt es sich bei mindestens 300 der wiederentdeckten Werke zu den verschollenen geglaubten Kunstwerken der „entarteten Kunst“. Laut Focus-Magazin liegen für 200 Bilder sogar Suchmeldungen vor.

Vorstudie von Franz Marc blauen Pferden dabei

Mit unter den sichergestellten Werken gehört beispielsweise auch eine Vorstudie zu Franz Marc berühmten Bild "Die großen blauen Pferde", welches seit Kriegsende als verschollen gilt. Wie viele Werke Cornelius Gurlitt in den letzten Jahren schon verkauft hat, ist völlig unklar. Fest steht, dass der Münchener sich so seinen Lebensunterhalt finanziert hat. Es liegt sogar der Verdacht nahe, dass es noch mehr Bilder und Verstecke geben muss. Denn im Herbst 2011 lieferte Cornelius Gurlitt das Bild "Löwenbändiger" beim Kölner Auktionshaus Lempertz ein. Doch das Bild wurde zunächst aus der Auktion genommen, weil die erben des Kunsthändlers Alfred Flechtheim darauf Anspruch erhoben. In der Folge wurde das Beckmann-Werk restituiert und wieder in die Auktion mit aufgenommen. Verkaufspreis - 864.000 Euro. Ein nicht unerheblicher Teil der Summe dürfte an Cornelius Gurlitt gegangen sein.

Vom Erbe seines Vaters, Hildebrand Gurlitt, der 1956 bei einem Autounfall ums Leben kam, dürfte der Sohn jahrzehntelang hervorragend gelebt haben. Jetzt wird dem "Kunstschatz-Hüter" von München lediglich Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Geschichte um den Kunstschatz von München scheint erst am Anfang zu stehen.

UPDATE zum Thema "Kunstschatz München":
- Nazi-Kunstschatz - unbekannte Werke von Dix und Chagall dabei

Quellen + Links zum Thema:
- Meisterwerke zwischen Müll – Fahnder entdecken in München Nazi-Schatz in Milliardenhöhe (Focus)
- Depot mit Nazi-Raubkunst in München - Der Verwerter und sein Sohn (Sueddeutsche)
- Entartete Kunst Ausstellung in Bielefeld

Bücher zum Thema:
- 1937. Perfektion und Zerstörung
- Die Bilder sind unter uns: Das Geschäft mit der NS-Raubkunst

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