Campendonk-Bild: Beltracchi und Lempertz müssen zahlen
Der Rechtsstreit um ein gefälschtes Campendonk-Bild zwischen dem Auktionshaus Lempertz und der Firma Trasteco wurde jetzt mit einem Vergleich beigelegt.

Trasteco und das Auktionshaus Lempertz einigen sich

Es sind die Nachwehen des wohl spektakulärsten Kunstfälscher-Skandals in Deutschland. Am 29. November 2006 versteigerte das Kölner Auktionshaus Lempertz ein Gemälde des Malers Heinrich Campendonk. Das Werk „Rotes Bild mit Pferden“, angeblich 1914 von Campendonk gemalt, wurde von der in Malta ansässigen Firma Trasteco Ltd. für rund 2,88 Millionen Euro ersteigert. Zur Abwicklung des Kaufs setzte das maltesische Unternehmen die in Genf ansässige Galerie Artvera’s ein.

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Die Galerie Artvera’s war es auch, die erneute naturwissenschaftliche Untersuchungen für das Campendonk-Bild „Rotes Bild mit Pferden“ empfahl. Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt. Es stellte sich heraus, das es eines der Bilder war die von Wolfgang Beltracchi gefälscht und vom Rest der Fälscherbande im Kunstmarkt platziert wurde. In diesen speziellen Fall wählten die Fälscher das Auktionshaus Lempertz in Köln aus. Der damals erzielte Auktionspreis war ein neuer Rekord für Campendonk-Werke. Wie sich später im Beltracchi-Prozess zeigte, waren noch weitere Auktionhäuser wie Christie's oder Sotheby's von gefälschten Bildern betroffen.

Sammlung Jägers

Als Provenienz nannten die Einlieferer die frei erfundene Sammlung Jägers. In den Jahren zuvor tauchte dieser Name schon einige Male auf internationalen Auktionen und in Katalogen auf (siehe Buch "Falsche Bilder Echtes Geld"). Als Gutachten reichte dem Auktionshaus Lempertz damals die Aussagen von Familienangehörigen, die das Campendonk Gemälde als „fabelhaft” bezeichneten. Neben den beiden naturwissenschaftlichen Untersuchungen, die zweite brachte verdächtige Farbpigmente hervor, fielen dem Kunsthistoriker Ralph Jentsch diverse Unstimmigkeiten an den Aufklebern/Etiketten auf der Rückseite des Bildes auf. Diese waren gefälscht, was ein weiterer Hinweis auf eine Campendonk-Fälschung war.

Quellen:
- Kunstfälschung: Ende eines Zivilstreits (Handelsblatt 2012)
- Richtigstellung zum Kunstfälschungsskandal „Sammlung Jägers“ (2010)
- Darlegungen + Darstellungen der Galerie Artvera’s (2012)
- Stellungnahme von Lempertz zu den Ermittlungen im internationalen Kunstfälschungsskandal 2011

Zivilprozess gegen Lempertz

Campendonk und der Beltracchi Fälscherskandal

Der "Beltracchi-Prozess" war mit neun Verhandlungstagen im Herbst 2011 überraschend kurz und die Urteile glimpflich ausgefallen. Im jetzt beigelegten Zivilstreit zwischen der Trasteco Ltd. und dem Auktionshaus Lempertz ging es um die Schadenssumme von rund zwei Millionen Euro (Aussage Lempertz). Diese beinhaltete den damaligen Kaufpreis, die Kosten der Gutachten und die Prozesszinsen. Laut Handelsblatt wird die Schadensumme nun vom Vermögen beider Schuldner (Lempertz und Ehepaar Beltracchi) in verschieden Beträgen an die Trasteco Ltd. fließen. Bei der Beltracchi-Forderung (zwei Millionen Euro) wird der entsprechende Betrag durch den Verkauf einer Hypothek auf ein Grundstück der Beltracchis beglichen (Quelle: Monopol). Das Auktionshaus Lempertz hatte bereits rund 800.000 Euro Kommissionsgebühr an Trasteco zurückgezahlt, wird aber noch einen Teil der Zinsen und die Prozesskosten übernehmen. Nach Aussage des Auktionshauses verlangt Lempertz diese wiederum von Beltracchi zurück.
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